Fury of Dracula (2006)

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14.02.08, 14:20:12

Dunix

Hinweis: Ich habe nur die englische Fassung von "Fury of Dracula", daher kann ich keine Aussage zur Qualität der deutschen Übersetzung machen.

Bei Fury of Dracula (FoD) von Fantasy Flight Games handelt es sich um die deutlich überarbeitete und verbesserte Neuauflage des gleichnamigen Spiels von Games Workshop.

Die 2006er Neuauflage von FoD gehört zu meinen absoluten Lieblingsspielen, daher schreibe ich auch eine Rezension darüber.

FoD ist für 2 bis 5 Spieler geeignet. Einer der Spieler übernimmt die Rolle von Graf Dracula, die anderen 1 - 4 Spieler kontrollieren die 4 Jäger.

Das Material (5 Plastikfiguren, etwa 200 Karten, zig Counter und ein massiver Spielplan, der das Europa des 19. Jahrhunderts zeigt) ist von der bei FFG geohnten hohen Qualität. Die Europakarte besteht aus 60 Landfeldern (Städten), sowie 10 Seefeldern. Die Städte sind mit Straßen und/oder Eisenbahnlinien miteinander verbunden. Für jede Stadt und jedes Seefeld gibt es eine Karte. Diese werden von Dracula verwendet, um geheim seinen jeweiligen Aufenthaltsort darzustellen. Die Counter stellen großenteils Begegnungen dar, die von Dracula plaziert werden, um die Jäger zu stoppen.

Spielziel: Dracula hat gewonnen, in der er 6 Siegpunkte hat, wenn er am Ende dieser Runde noch "lebt". Die Jäger haben gewonnen, wenn sie Dracula spätestens vor Ende dieser Runde vernichten. Im Normalfall bekommt Dracula alle 6 Züge einen Siegpunkt (jeweils 3 Züge sind 1 Tag bzw. 1 Nacht). Außerdem bekommt er jeweils 2, wenn er einen Vampir ins Spiel bringt oder einen Jäger ausschaltet (dieser kommt aber wieder ins Spiel --> kein Spieler muss dauerhaft ausscheiden).

Kurzbeschreibung: FoD ist eine Art Scottland Yard (SY), bei der 4 Jäger versuchen, den versteckt agierenden Dracula zu fidnen und auszuschalten. Im Gegensatz zu SY haben sie aber nciht automatisch gewonnen, sobald sie Dracula gefunden haben. Vielmehr kommt es (filmgerecht) zu einem Showdown. Da sich 3 Tag- und 3 Nachtzüge abwechseln, kann es durchaus vorkommen, dass aus den Jägern Gejagte werden (nicht vergessen, jeder ausgeschaltete Jäger = 2 Siegpunkte).

Spielbeginn: Die 4 Jäger werden beliebig auf dem Spielplan plaziert, dann setzt der Vampirspieler verdeckt die Ortskarte, bei der sich Dracula zu Spielbeginn befindet.

Spielablauf: Dracula und die 4 Jäger ziehen abwechselnd. Vor seinem Zug bewegt Dracula die Zeitleiste um 1 weiter (nicht, wenn er sich auf See befindet). Die Zeitleiste besteht aus 6 Feldern (3 x Tag und 3 x Nacht). Bei jedem Nacht-Tag-Wechsel bekommt Dracula 1 Siegpunkt und die Jäger 1 Aktionspunkt (mit diesem können sie beispielsweise teleportieren).

Dracula legt seinen neuen Ort verdeckt auf eine Ortsleiste, die die letzten 7 von ihm besuchten Orte beinhaltet. Zusätzlich sucht er sich einen von (normalerweise) 5 Begegnungscountern aus und legt diesen ebenfalls verdeckt auf die Ortskarte (nur bei Stadtkarten, nicht bei Seekarten; der gespielte Counter wird verdeckt nachgezogen). Wenn bereits 7 Ortskarten auf der Ortsleiste liegen, wird die älteste aktiv, d.h. der Begegnungscounter (falls noch vorhanden) kann von Dracula aktiviert werden (muss aber nicht). Im Falle eines Vampirs erhält Dracula 2 Siegpunkte.

Dann sind die Jäger dran. Jeder Jäger entscheidet, ob er Zug fahren will, in diesem Fall muss er würfeln, wie weit er fahren darf (0-3 Felder) bzw. ob er den Zug verpasst. Alternativ kann jeder Jäger auch 1 Straßenfeld weit gehen (mit Pferdekarte 2).

Es gibt kleine und große Städte. Bei einer kleinen kann der Jäger 1 Karte ziehen, bei einer großen zusätzlich 1 Ausrüstungsgegenstand "kaufen" (eigentlich bekommt er ihn umsonst). Die Ausrüstungskarten können Waffen (Messer, Pistole, Gewehr, ...) sein oder Gegenstände, die gegen Dracula helfen (Hostie, Kreuz, Pflock, ...).

Es gibt insgesamt 75 Aktionskarten, 25 Dracula und 50 Jägerkarten. Damit die Jäger nicht wissen, welche Art von Karte sie ziehen, wird immer von unten gezogen. Ggf. wird die Karte verdeckt an den Vampirspieler weiter gereicht.

Einige der Karten müssen sofort gespielt werden, die meisten kann man behalten, bis man sie einsetzten will. Während jeder Jäger 3 Karten (und 3 Ausrüstungsgegenstände) auf der Hand haben darf, kann Dracula maximal 4 Karten behalten.

Die Karten können nett sein (z.B. bekommen die Jäger bei der nächsten Zugfahrt automatisch das beste Ergebnis, d.h. 3 Felder) oder auch heftig (Dracula darf - und muss - sofort auf ein beliebiges Feld "teleportieren"). Für beide Seiten gibt es auch je 2 Karten, um gegnerische Karten zu neutralisieren.

Wichtig: Ein Jäger darf nur 1 Karte (und ggf. einen Ausrüstungsgegenstand) ziehen, wenn sich auf dem Feld weder Dracula noch ein Begegnungscounter befinden (sonst kommt es zu einem Kampf).

Begegnungen: Wenn ein Jäger seine Bewegung auf einem Feld beendet, auf dem ein (oder mehrere) Begegnungscounter liegt/liegen (nicht vergessen, diese liegen auf der verdeckten Ortskarte, nicht auf dem Spielplan), entscheidet Dracula, in welcher Reihenfolge diese Begegnungen abgehandelt werden. Es gibt nervige Begegnungen (z.B. Nebel), aber auch gefährliche (Assassine). Letztere führen gewöhnlich zu einem Kampf. Der Jäger kämpft mit seiner Ausrüstung (falls vorhanden, sonst mit Händen), die Begegnungscounter haben abhängig vom Counter unterschiedliche Waffen. Die jeweiligen Optionen sind in Form von Karten vorhanden. Beide Seiten wählen je 1 ihrer Karten aus und decken sie gleichzeitig auf. Dann würfelt jeder mit 1W6 und addiert ggf. Boni. Die höhere Zahl gewinnt (bei Unentscheiden die Karte mit der höheren Initiative).
Abhängig von den gespielten Karten kann eine Kampfrunde mehere Auswirkungen haben (z.B. Flucht erfolgreich, Kampfrunde unentschieden, Gegner hat 1 - 3 Schaden).Die Jäger haben 8 - 12 Lebenspunkte, die Begegnungscounter je 1.

Sollte Dracula auf dem Feld sein, kommt es (möglicherweise) zum Showdown. Zuerst wird geschaut, ob ein Tag- oder ein Nachtzug ist (bei einem Tagzug kann Dracula eine von 3 Karten spielen, bei einem Nachtzug eine von 9). Dann sucehn sich beide Seiten je 1 Karte aus und spielen diese. Würfeln mit je 16 und ggf. Boni addieren. Dracula hat anfangs 12 Leben, d.h. es dauert etwas, bis er ausgeschaltet wird (da die Jäger gegen Dracula maximal 4 Schaden machen können, mind. 3 Kampfrunden).

Die Jäger können nicht sterben. Ein ausgeschalteter Jäger kommt zu Beginn seines nächsten Zuges auf einem speziellen Feld (Klinik in Osteuropa) wieder ins Spiel.

Bevor ich es vergesse - Solange Dracula auf hoher See ist, wird der Tag-Nacht-Zähler nicht bewegt. Außerdem verliert Dracula für jedes zweite Seefeld 1 Blut (er beginnt das Spiel mit 12).

Fazit: Das Spiel ist bis zum Ende spannend. Da die Jäger mit fortlaufender Rundenzahl mehr Aktionspunkte bekommen, haben sie gegen Ende des Spiels noch die Möglichkeit, Dracula von jedem Punkt aus in 1 Zug zu erreichen (eine Art Teleportation). Die Kosten bestehen in einem Verlust von 6 - Siegpunkte Draculas Lebenspunkten (hat Dracula bispielsweise 4 Siegpunkte, verliert ein teleportierender Jäger 6 - 4 = 2 Lebenspunkte), d.h. bei 5 Siegpunkten kostet der Teleport die Jäger nur noch 1 Lebenspunkt. Dracula hat ebenfalls viele Möglichkeiten, da er sich nur tagsüber verstecken muss. Nachts kann der eben noch Gejagte zur tödlichen Bedrohung werden (lohnt sich, da er 2 Siegpunkte pro ausgeschaltetem Jäger bekommt).

In einem unserer spannendsten Spiele hätte Thomas (Dracula) nur noch diese eine Nachtrunde überleben müssen, um aufgrund des dann folgenden Nacht-Tag-Wechsels seinen 6. Siegpunkt zu bekommen. Die Jäger hatten das Problem, dass Dracula zuvor 3 Seefelder weit gefahren war und daher in einem von etwa 8 Häfen sein musste. Da Dracula sich in diesem Spiel die ganze Zeit versteckt gehalten hatte, tippten wir auf den unwahrscheinlichsten Hafen (Cagliari) und Voila - da war er auch. Den ersten teleportierenden Jäger konnte Dracula noch abwehren, aber Van Helsing schaffte es mit letzter Kraft, Dracula auszuschalten. Hätte er es nicht geschafft, hätte Dracula gewonnen, da die Jäger zu diesem Zeitpunkt nur 2 Aktionspunkte und somit nur 2 Teleports hatten.

Ich kann jedem an der Thematik auch nur halbwegs interessierten nur empfehlen, sich FoD zuzulegen. gemessen am Material ersheint der preis etwas teuer, aber der Spielspass ist sehr hoch und nicht umsonst ist FoD seit Erscheinen das von mir meistgespielte Brett- (und Karten)spiel.
 
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