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Wir lieben es, sie zu hassen, und hassen es, sie zu lieben. Des Nächtens, 0:20 Ortszeit, hängen wir am TV und amüsieren uns köstlich… in der Hoffnung, dass es niemand mitkriegt. Die Rede ist von den Filmen, in denen das nächste Opfer des psychopathischen Babysitters die Treppe rauf anstatt zur Haustür ´rausrennt, in denen die Schönen und Reichen auf der Millionenyacht bei Haiangriff ins Wasser springen, in denen Cadillac-Radkappen als UFOs durchs Bild schwirren und in denen unsterbliche Dialoge wie „Sie können nicht sterben, die magische Tafel erhält sie am Leben!“ „Mir egal, Hauptsache die Munition reicht…“ fallen.
B-Movies: Sie bringen jeden ernsthaften Cineasten und Filmomanen dazu, mal ganz schnell und unbürokratisch in den Teppich zu beißen, und doch unterhalten sie besser als so manche geplante Komödie, wenn man mit geneigter Runde bei berauschendem Gesöff hinter einem Film hängt, der einem auch noch die letzten Gehirnäderchen zum Platzen bringt. Ein paar empfehlenswerte Titel? Gerne: „Surf Nazis Must Die“, „The Bride Of The Monster“, „Raiders Of The Magic Ivory“ (der Film des obrigen Zitates), “Manos – The Hand Of Fate” (der Film mit den wenigsten imdb-Punkten… Tipp von mir: Schaut Euch die Mistery Science Theatre 3000 – Fassung an, das Original überlebt Ihr nicht !!!), „They Saved Hitler’s Brain“, „Zombie Holocaust“, „Robot Monster“, „Dünyayi Kurtaran Adam“ (in der Szene einfach nur als „Turkish Star Wars“ bekannt), „House Of The Dead“, „Battlefield Earth“ (von und mit John Travolta !!!), „Shark Attack 3: Megalodon“, und natürlich der König „Plan 9 From Outer Space“, dessen Arbeitstitel titelgebend für dieses Spiel war. Jedem, der weiter an B-Movies interessiert ist, möchte ich hiermit noch schnell die Seite www.badmovies.de empfehlen (und das nicht nur, weil ich mit dem Webmaster befreundet bin… und ich meine nicht den Kater *g*).
Eigentlich verwunderlich, dass wir bis 2001 warten mussten, bis sich jemand dieses Themas annahm. Naja, Z-Man – Games hat’s in Form von Stephen Tassie ja nun getan, und dank dieses Kartenspieles haben wir jetzt die Chance, auch mal als Lucio Fulci, Ed Wood, Jess Franco, Roger Christian oder Phil Tucker einen Angriff auf das zu riskieren, was man so lapidar den „guten Geschmack“ nennt, und das dank mehrerer Sets inzwischen in sämtlichen Genres. Also, dann mal rein ins Vergnügen:
Zunächst: Was braucht ein Film, bevor man beginnen kann? Quatsch, Drehbuch... einen TITEL. Daher werden erstmal 6 Karten gezogen und aufgelegt. Die Kartenarten sind in diesem Moment gleichgültig, wichtig ist nur, dass jede Karte unten ein Wort aufgedruckt hat. Aus diesen 6 Karten bastelt man sich nun einen Titel. Auf diese Weise entstanden unsterbliche Klassiker wie „Death Inferno - Part II“, „Attack From Dracula’s Dungeon“ (ein Film, in dem Dracula übrigens nicht vorkam… macht nix, in „Dracula im Schloss des Grauens“ – gibt’s wirklich, Klaus Kinski spielt mit !!! - kommt er auch nicht vor), „Commando: Black Phantom“ oder „Disco Heat: The Showdown“.
Der Sinn davon ist folgender: Am Ende des Spieles erhält jeder Spieler Bonuspunkte, wenn er in seiner Hand oder offen ausgelegt Karten hält, die Worte aus dem Titel enthalten. Im Original arbeitet jeder Spieler mit demselben Titel, bei uns jeder mit einem anderen, und die Bonuspunktezahl ist bei uns unterscheidlich, je nachdem, wie viele Worte aus den Karten man verwendet hat: 4 Worte = 3 Punkte / Karte, 3 Worte = 5 Punkte / Karte und 2 Worte = 9 Punkte / Karte.
Nach der Titelsuche werden alle Karten gemischt und an jeden Spieler 6 Karten verteilt. Das Spiel enthält folgende Arten von Karten: Locations, Charaktere, Props, Creatures, Special Effects und zweimal Roll The Credits. Wenn ein Spieler an der Reihe ist, kann er beliebig viele Karten ausspielen. Das Spiel endet, wenn entweder der Kartenstapel aufgebraucht ist, oder ein Spieler, der über zumindest einen Charakter verfügt, die Karte „Roll The Credits“ spielt. Um aber der Gefahr zu entgehen, dass diese Karte bereits nach 2 Minuten kommt (hatten wir schon), hat sich bei uns folgende Hausregel durchgesetzt: Wir machen zwei gleichgroße Stapel, und die Karte darf erst gespielt werden, wenn ein Stapel aufgebraucht ist.
In seinem Zug darf der Spieler beliebig viele Karten spielen. Zu Beginn des nächsten Zuges wird die Hand erst wieder auf 6 aufgefüllt.
Folgende Karten legt der Spieler in seinem Film auf:
Locations: Jeder Spieler darf eine Location (also der Ort, an dem der Film zur Zeit spielt) ausliegen haben. Spielt ein Spieler eine neue Location, wird die alte Location ersetzt.Alle diese Karten enthalten (neben einem blöde Spruch) einen Punktewert, einige Traits wie „Old“, „Smart“ oder „Male / Female“, und die meisten außerdem noch selbsterklärende spezielle Effekte. Wenn das Spiel endet, ergeben die addierten Punktewerte der Karte (plus Bonus aus dem Titel) die Siegpunkte.
Folgende Karten können Sie gegen Ihre Gegner spielen:
Locations: Locations dürfen auch auf gegnerische Filme gespielt werden, da manche Minuspunkte bedeuten oder besonders negative Auswirkungen haben. Auch diese Locations ersetzen ausliegende.Folgende Karten sind nach einmaligem Ausspielen aus dem Spiel:
Special Effects: Diese Karte kann jeder Spieler jederzeit ausspielen, selbst wenn er gerade nicht am Zug ist. Sie sind selbsterklärend. Unter anderem verstärken sie Creatures, schwächen Charaktere, werden mit Charakteren verbunden etc. etc..
So, mehr ist Grave Robbers From Outer Space nicht. Das System des Spieles ist nicht neu, und schon gar nicht besonders originell. Selbst der wohlgesonnenste Spieler / Reviewer / Rezileser wird eine nicht wegzuleugnende Ähnlichkeit mit Steve Jacksons Megaheuler Munchkin erkennen. Und ebenso hoch ist bei Grave Robbers From Outer Space auch der Fun-Wert. Die Karten selbst haben schon so manchen Brüller auf sich, aber in Kombination ergeben sich die herrlichsten Plots. Da taucht schon mal unvermittelt ein Priester in der Autowaschanlage auf. Da wird schon mal ein wehrloses Baumhaus von Nazi-Truppen angegriffen. Da wird einem Lara Croft - Klon schon mal im Dschungel der Schatz von einem Sandsturm (!!!) geklaut. Und am Ende zieht man einer weiblichen Häuptlingstochter noch einen Tigerbikini an, um die Quoten (= Punkte) zu steigern.
Doch spätestens ab dem zweiten Spiel wird's erst richtig lustig, wenn dann nämlich so ziemlich jeder Spieler beginnt, den Film, der sich aus den Karten ergibt, auch zu ERZÄHLEN. Irrwitzige Handlungen (Plotholes inklusive), blödsinnige Aktionen und jede Menge Unsinn ist garantiert. Unvergessen etwa, wenn in irgendeinem Abenteuerheuler einer der Charaktere des Users Murtl unablässig Thomas Bernhard zitierend durchs Bild läuft. Wunderschön, wenn sich nach X Runden Kampf gegen diverseste Monstren das Obermonster als kleiner, schleimiger Alienball entpuppt. Mit dem ersten Set, Grave Robbers Form Outer Space, nimmt dies schon schräge Formen an, da ein Film Zombies, Vampire, Aliens und Psychokiller unterbringen muss, aber mit der Fortführung „Grave Robbers II: Skippy’s Revenge“ wird’s abartig: Raumschiffe, Alien-Viecher, Unterwasser-Monster…
Dieser Fun-Faktor des Spieles kommt nur bedingt aus den Karten. Es kommt aus den Köpfen der Spieler. Geistesakrobatik dieser Art wird nirgendwo in der Anleitung erwähnt, hat auf das Spiel selbst keine Auswirkungen und ist keine Bedingung, damit das Spiel funktioniert. Sie ENTSTEHT automatisch. Und das macht den Reiz dieses Spieles aus. Trotz vorgegebenen Karten entsteht der Fun-Faktor zu 80 % von den Spielern selbst. Unverlangt.
Aber auch die Karten selbst sind mit wunderbaren Gags unterlegt (auch wenn man sich in so manchen Fall schonungslos bei Giganten wie Douglas Adams und den Indiana Jones - Filmen bedient hat), bestärkt durch die Tatsache, dass Stephen Tassie eine ausgeprägte Schwäche für Running Gags hat: In jedem Set gibt es den Charakter „Skippy, The Wonder-Dog“, einen Golden Retriever inkl. dem Set angepasster Kopfbedeckung bzw. Hundekleidung. Ausnahme: Grave Robbers II: Skippy’s Revenge. Hier wird Skippy zur Zombie-Creature.
Besonders liebevoll aber geht Tassie mit seinem „Tentacle“ – Witz um: Jedes Set verfügt über Karten, die Tentakel ins Spiel bringen, begonnen mit der Karte „Say, Is That A Tentacle“. Der Effekt ist automatisch der, dass der geneigte Spieler beginnt, mit jedem neuen Set neue Tentakel-Witze zu suchen. Und kein Set, bei dem der Spieler nicht fündig würde...
Fazit: Ein herrlich dämlicher Spaß, mit der richtigen Runde ein Erlebnis… und für Ed Wood – Fans das reinste Festmahl.
P.S.: Es existiert inzwischen eine Deutsche Fassung des Spieles mit dem unbürokratischen Titel „Grabräuber aus dem Weltall“. Ich habe nur drei oder vier der deutschen Karten gesehen, aber die Übersetzungen schienen mir nicht so glücklich.
Die Sets:
Grave Robbers From Outer Space & Grave Robbers II: Skippy’s Revenge: Horror-SF-Genre
Cannibal Pygmies In The Jungle Of Doom: Abenteuer-Genre
Kung-Fu Samurai On Giant Monster Island: Japanische Kung Fu- und Monsterfilme
Bell-Bottomes Badasses On The Mean Street Of Funk: 70er-Jahre-Action
Berserker Halflings From The Dungeon Of Dragons: Fantasy-Genre
Ein paar ausgewählte Karten-Gags aus dem Set Grave Robbers From Outer Space:
TOO STUPID TO LIVE
“You are so stupid it’s painful. Not to you, but to those around you.”
SCREAM QUEEN
“You’re not scared, are you, baby?”
“Trust me, if I was scared, you’d hear all about it.”
FLASHLIGHT
“Great: Now we can see it, before it kills us.”
PISTOL
“Blam! Blam! Blam! Blam! Blam! Blam! ... click, click, click, click, click, click... Crap! ”
HEY, WHAT’S BEHIND THE DOOR?
“It’s a fine line between stupid and clever.”
GOOD GOD! THEY’RE RADIOACTIVE!
“Hey, turn out the light.”
”I did...”
NYMPHOMANIAC CHEERLEADER
“Oh, no! I don’t want to die a virgin!”
“You’re a virgin?”
“Look, do you want to get some or not?”
Und mein Favorit:
OH MY GOD, THEY GOT BILLY
“Billy, are You all right? Say something, pal!”
”Braaains...”
Say, is that a tentacle: Eine kleine Auswahl aus den diversen Sets
SAY, IS THAT A TENTACLE
“Okay, who ordered the Sushi-Plate?”
BACK SEAT OF THE CAR
“Billy, noooo. Stop it... Well, okay, just this once... say is that a tentacle?”
HUMANOIDS FROM THE DEEP
“Shouldn’t there be tentacles?”
GREAT WHITE SHARK
“With teeth like that, who needs tentacles?”
| Strategie / Taktik | :star: | Jetzt kaufen bei![]() |
| Glück / Zufall | :star: :star: :star: :star: :star: | |
| Interaktion | :star: :star: :star: :star: | |
| Anleitung | :star: :star: :star: :star: | |
| Material / Ausstattung | :star: :star: :star: :star: :star: | |
| Spielspaß | :star: :star: :star: :star: | |
| Preis / Leistung | :star: :star: :star: :star: :star: |
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