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Chrii

(Großes Spielkind)

geändert von: micha - 25.05.11, 07:50:13

Kurzinfos zu Ursuppe
Gesamtbewertung
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Autor Doris Matthäus, Frank Nestel
Verlag Doris & Frank, Wargames Club Publishing
Erscheinungsjahr 1997
Spieleranzahl 3 – 4 (3 – 6)
empf. Alter ab 12
Sprache Deutsch (Englisch)
Zielgruppe /
empfehlenswert für
Biologen und Taktiker
Spieldauer 60 - 90 Min.
Preis 30 – 50 Euro
Erweiterung Ursuppe – Frisch abgeschmeckt; 1998; ca. 15€
Brettspiel Ursuppe von Doris & Frank

Von den Ursprüngen des Lebens oder warum Amöben unglaublich spannend sind.

Diese Rezension muss ich einleiten mit der Erklärung, dass ich als Biologe dem Spiel gegenüber nicht ganz unvoreingenommen bin und sicher gerade deshalb alleine der Titel schon einen gewissen Kaufreiz auf mich ausübte. Natürlich spielt man ein Spiel, dessen Thema einen Parallele zum eigenen Interesse aufweist dann auch mit einem ganz anderen Blick auf so manches Detail.

Beim Öffnen der Schachtel fallen sofort einige Dinge auf, die typisch sind für Doris & Frank Spiele. Nicht nur das durchweg hochwertige Spielmaterial aus Holz und stabilem Karton, auch die liebevollen Zeichnungen und Bilder überzeugen durchgehend und rechtfertigen nicht zuletzt den Preis. Die Anleitung könnte dagegen den einen oder anderen Gelegenheitsspieler schon ehr vor eine Hürde der größeren Art stellen. Für die Komplexität des Spieles ist sie dennoch recht kurz und leicht verständlich geraten. Außerdem liegt dem Spiel ein Übersichtsplan für den Rundenablauf und die Mutationen in mehreren Exemplaren, als Merkhilfe bei. Alle Spieler schlüpfen in die Rolle einer Amöbenpopulation in der Ursuppe und versuchen sich fleißig zu vermeheren oder möglichst überlebensfähige Amöben durch das Ansammeln von Mutationen zu erhalten. Diese beiden Ziele versorgen denjenigen der sie verfolgt nach jeder Runde mit Punkten, die letztendlich über Sieg oder Niederlage entscheiden. Doch schön der Reihe nach.

Spielablauf:

Zunächst muss der Spielplan (die Ursuppe), der in große Felder unterteilt ist mit Nährstoffen (kleine Holzklötzchen in den Farben der Mitspieler) bestückt werden. Diese werden gleichmäßig (je zwei von jeder Farbe) in alle Felder verteilt. Anschließend bekommen alle Spieler einige Biopunkte (Währung des Spiels) und Ihre Amöben und verteilen eine bestimmte Anzahl davon nach konkreten Einsetzregeln auf dem Plan. Die Amöben sind kleine nummerierte Holzscheiben in der Farbe des Spielers mit einem Stäbchen in der Mitte, auf das später (und zu Beginn) „Schadenspunkte“ gesteckt werden können. Diese zeigen im Verlauf des Spieles den Gesundheitszustand der jeweiligen Amöbe an.

In der Mitte des Plans liegen die Umweltkarten, die während der Runde dazu dienen die Strömungsrichtung in der Ursuppe und die Strahlungsintensität vorzugeben und letztlich das Ende des Spiels (es ist nur eine bestimmte Anzahl vorhanden) vorgeben. Die Spielreihenfolge wird durch die Plazierung auf der Punkteleiste, die den Plan umschließt vorgegeben und wechselt je nach Vorankommen und Phase des Spieles, so dass Vorteile nie nur dem Ausreißer zugute kommen und es bis zum Ende spannend bleibt.

Eine Runde gliedert sich in sechs Phasen. Jede Phase wird auf- oder absteigend von allen Spielern gespielt, ehe die nächste folgt.

Phase 1: Bewegen und Fressen

In dieser Phase muss jeder Spieler (aufsteigend) alle eigenen Amöben durch die Ursuppe manövrieren und möglichst so platzieren, dass sie auf dem Zielfeld genügend Nährstoffe der richtigen Farben für ihre Ernährung vorfinden. Anfangs muss man wohl oder übel in Richtung der Strömung (Umweltkarte) treiben und auf dem Zielfeld je einen Nährstoff in der Farbe der Gegner fressen. Ist dies möglich entfernt man die Steine und legt zwei in der eigenen Farbe ab. So ist garantiert, dass die Nährstoffe einerseits immer knapper werden, andererseits kann man sich nicht allzulange in einer „Ecke“ der Ursuppe verkriechen, da die eigenen Ausscheidungen zur Ernährung nicht benötigt werden. Findet eine Amöbe nicht genügend Futter, so bekommt sie sofort einen Schadenspunkt. Im späteren Verlauf des Spieles kann man in dieser Phase durch Gene und die Investition von Biopunkten viele verschiedenen Möglichkeiten wahrnehmen um sich zu bewegen, andere Amöben zu attakieren oder Ersatzkost zu verspeisen. Sicherlich eine der wichtigsten Phasen des Spiels.

Phase 2: Umwelt und Gendefekte

In der nächsten Phase schlägt der Wind um. Dazu wird eine neue Umweltkarte aufgedeckt und die Alte mit dieser ersetzt. Die Strömung in der Brühe ändert sich. Zusätzlich kommt ein guter Schub Strahlung vom Himmel und schlägt zu. Diese Strahlungsintensität wird durch einen Zahlenwert auf der Karte angegeben. Jeder, dessen Genmutationen einen höheren Wert besitzen, muss nun bezahlen (Biopunkte) oder verliert wertvolle Fähigkeiten.

Phase 3: Neue Gene

Schicke neue Gene! Absteigend heißt es hier geschickt wählen und dann die richtigen Gene zur richtigen Zeit mittels Biopunkten ergattern. Einige Gene haben zwei Formen und setzen deshalb eine vorherige Mutation voraus, andere gibt es zum Spottpreis, allerdings auch mit wenig Nutzen. Die schiere Masse der Möglichkeiten führt dazu dass diese Phase gerade mit Anfängern sehr zäh verläuft. Zusätzlich sind alle Gene nur sehr begrenzt vorhanden und manche schon in der ersten Runde „ausverkauft“... Pech wenn man seine Strategie hierauf aufbauen wollte. Allerdings kann man immer eine Alternative finden. Sind alle anderen schnell und wendig, dann hat es Vorteile derjenige zu sein der mit wenig Nährstoffen auskommt. Spielt ein Gegner aggressiv, kaufe ich eben Verteidigung oder vermehre mich einfach wie die Pest und überall. Niemals sollte ich jedoch aus den Augen verlieren, dass die beste Investition nichts nützt, wenn mein Mutagenwert zu hoch wird und ich in der nächsten Runde alles wieder verliere. Aber Punkte gibt es ja auch für Gene... SCHWIERIG!

Phase 4: Zellteilung

Die zweite Möglichkeit meine Punkte in die Höhe zu schrauben ist Biomasse, oder in anderen Worten: MEHR AMÖBEN! Dazu bekommt jeder Spieler in dieser Phase 10 Biopunkte (BP), die er sofort in Amöben investieren kann, oder aber später in Gene, oder für Aktionen oder um sich vor der Umwelt zu schützen. Neue Amöben müssen auf Nachbarfelder in der Ursuppe platziert werden, solange ich nicht die Möglichkeit habe mich per Sporen überall zu vermehren. Dies trägt zur weiteren Verknappung von bestimmten Rohstoffen in begrenzten Arealen bei.

Phase 5: Todesfälle

Alle Amöben mit zwei oder mehr Schadensmarkern sterben jetzt und hinterlassen auf dem Feld je zwei neue Nährstoffe jeder Farbe. Damit ist garantiert, dass die Nährstoffe nicht irgendwann komplett zur Neige gehen. Allerdings ist der Verlust einer Amöbe immer ärgerlich denn jetzt folgt:

Phase 6: Punkte

Absteigend erhalten alle Spieler Punkte nach einem bestimmten Schlüssel für die Anzahl Ihrer lebenden Amöben und Genkarten. Dabei werden besetzte Felder auf der Wertungsleiste ignoriert.

Nun beginnt das Spiel wieder bei Phase 1 und alles beginnt von vorne. Das Ende ist erreicht, wenn die letzte Umweltkarte gespielt oder ein Spieler das Ende des Wertungsbalkens erreicht hat.

Erweiterung: Ursuppe – Frisch abgeschmeckt

Mit der Erweiterung kann man Ursuppe auch mit bis zu 6 Spielern spielen. Außerdem ermöglicht eine Vielzahl neuer Gene weiter Winkelzüge in der Ursuppe. Wer das Basisspiel besitzt und in größeren Gruppen spielt sollte das Geld definitiv investieren. Das absolute Chaos bei 6 Spielern auf dem begrenzten Plan ist ein Erlebnis der besonderen Art!

Zur Bewertung:

Das Spiel besitzt einen sehr hohen Grad an Komplexität, was zum einen den Reiz des Ganzen ausmacht, zum anderen allerdings zum Nachteil gereicht, da es gerade für Gelegenheitsspieler oder schnelle Runden nicht zu empfehlen ist. Anders als bei Doris & Frank Spielen sonst oft der Fall, ist die Einstiegshürde hier etwas zu hoch geraten. Den interessierten Taktiker erfreut gerade diese Vielzahl an Möglichkeiten und die damit verbundene Balance, die sich immer wieder quasi wie von selbst einstellt. Im Endeffekt findet jeder seine Nische in der Ursuppe, ob nun aggressiver Angreifer oder friedlicher Nahrungsspezialist, jeder hat Chancen auf den Sieg. Auch aus fachlicher Sicht ist den beiden Autoren ein stimmiges Spiel gelungen, was sehr deutlich macht, wie bunt es in der Welt der Mikroben drunter und drüber geht.

Für mich ein absoluter Volltreffer, der in der Regel leider viel zu selten zum Einsatz kommt.

Wer sollte das Spiel kaufen: Jeder der...
Wer sollte das Spiel nicht kaufen: Jeder der...
- thematisch stimmige Spiele mag- lieber abstrakte Formen stapelt
- Interesse an der Biologie hat- Bakterien nur mit Krankheiten und Ekel in Verbindung bringen kann
- gerne komplexe Strategien entwirft und flexibel spielt- schon bei Mensch-ärgere-dich-nicht nicht weiß welche seiner Figuren er ziehen soll
- lange Spiele mag- nur mal so ne schnelle Runde zockt
- Taktikfans und Biologen- Activity und Tabu Spieler


Strategie / Taktik Stern Stern Stern Stern Stern Stern
Glück / Zufall Stern Stern Stern
Interaktion Stern Stern Stern Stern
Anleitung / Material Stern Stern Stern Stern Stern Stern
Spielspaß Stern Stern Stern Stern
Preis / Leistung Stern Stern Stern Stern Stern

Ich liebe Taktikspiele!
Lieblingsspiel: RoboRally
24.05.11, 17:15:02

Makake

(MichaJunior)

Nette Rezi. Würde Ursuppe zwar nur gute vier Sterne geben, hätte aber grad durchaus mal wieder Lust auf eine Partie...
25.05.11, 14:28:48

Chrii

(Großes Spielkind)

Danke, wie in der Einleitung erwähnt spielt hier der "Biologenfaktor" mit. Für nicht-Zellen-Schubser ist es ein 4-Sterne mit Potenzial nach oben Spiel.

Ich liebe Taktikspiele!
Lieblingsspiel: RoboRally
25.05.11, 14:36:45
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