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Autorensteckbrief:
Franz-Benno Delonge


Spielautor Franz-Benno Delonge - Foto: Zoch

Franz-Benno Delonge

ist Richter in München.
1999 brachte er mit "Big City" sein erstes Spiel heraus. Bereits 2002 gelang ihm mit dem Zugspiel "Trans America" der Sprung auf die Nominierungsliste zum Spiel des Jahres. "Dos Rios" schaffte es 2004 dann auf die Empfehlungsliste. Und in diesem Jahr sind bereits wieder drei neue gute Spiele von Delonge erschienen.

In unserem Spieleautoren-Steckbrief steht er uns Rede und Antwort:

Name: Franz-Benno Delonge
Alter: 48
Wohnort: München
Ausbildung und heutiger Beruf: Jurist / Richter
Hobbies: Fußball, Politische Philosophie, Sammeln von Bierflaschen-Etiketten
Dein Lieblingsbuch? "Die Wahrheit über Arnold Hau" von Gernhardt, Bernstein und Wächter. Knapp dahinter: Die Sepp-Herberger-Biographie von Jürgen Leinemann.
Dein Lieblingsfilm? "Die Nacht des Jägers" von Charles Laughton, oder "2001: Odyssee im Weltraum" von Stanley Kubrick.
Dein Lieblingscomputerspiel? Rebellion (Star Wars). Müsste ich eigentlich mal wieder spielen. Viel lieber bastele ich irgendwelche Spielkarten und Pläne am Computer, als gegen den Computer zu spielen, das finde ich ziemlich langweilig.
Welche Musik magst Du? Alles, was sich im Niemandsland zwischen Rock, Blues und Country bewegt.
Meine absoluten Favoriten: Townes van Zandt, Guy Clark, und der späte Johnny Cash.
Drei Errungenschaften ohne die Du nicht auskommen würdest?
Geschirrspülmaschine
Auto
Fußballstadion
Deine Lieblingsspiele? (eigene und fremder Autoren)
Eigene: Manila, Big City.
Fremde: Siedler von Catan (mit Seefahrer-Erweiterung), Attika, Lost Cities.
Aktuelle: In 80 Tagen um die Welt, Zug um Zug Europa, Schatten über Camelot, Niagara.
Welche Art von Spielen magst Du und welche nicht?
Ich mag nicht: Spiele, die länger als 90 Minuten dauern; Spiele, deren Regeln zweistellige Seitenzahlen erreichen; Spiele, deren Thema künstlich aufgepfropft wirkt.
Ich mag: Im Prinzip alle Spiele, bei denen keines dieser drei Kriterien zutrifft.
Was ist Dir bei Deinen Spielen wichtig?
Zunächst einmal die oben genannten Kriterien. Speziell lege ich besonderen Wert darauf, dass das Spiel organisch aus dem Thema heraus entsteht. Und ich habe immer den Ehrgeiz, Spiele zu machen, die sowohl bei Vielspielern als auch bei Gelegenheitsspielern ihre Freunde finden - im unglücklicheren Fall passiert es dann aber, dass keine der beiden Gruppen das Spiel mag...
Für welches Publikum entwickelst Du Spiele?
Siehe oben.
Wie bist Du zum Spieleerfinden gekommen?
Durch viel Selber-Spielen. Irgendwann fragt man sich dann, ob man das nicht selber auch kann.
Wo oder wann bekommst Du Ideen für Deine Spiele?
Die Grundideen kommen, oder sie kommen nicht - das lässt sich nicht beeinflussen. Aber wenn man dann an einem Spiel arbeitet, dann kommen die Ideen für die Optimierung immer nur durch viele, viele Testspiele.
Daß mich andere Spiele beeinflussen, das kann ich nicht leugnen. Wenn ein Spiel ein besonders tolles, neues Regelelement hat, dann kann es sein, dass ich das in ein eigenes neues Spiel auch einbaue - so wird es wohl allen anderen Autoren auch gehen.
Wie lange dauert es von der Idee zum fertigen Spiel?
Zwischen drei Tagen und drei Jahren habe ich schon alles erlebt.
Die "Phasen" sind immer die gleichen:
1. Abstrakt über die Idee nachdenken (1 Tag bis 1 Jahr).
2. Wenn das zu klappen scheint: Prototyp bauen und "gegen sich selber" austesten.
3. Wenn das zu klappen scheint: Viele Testrunden mit "echten" Mitspielern.
4. Wenn das zu klappen scheint: Ab an die Verlage...
Was wäre Deine Idee für das perfekte Spiel?
Siedler von Catan IST das perfekte Spiel.
Gab es etwas bei Deinen Spielen, das nicht verwirklicht wurde, Du aber gerne verwirklicht gesehen hättest?
Nein, das gab es nie. Was mir wirklich wichtig war, das wurde auch gemacht.
Und gäbe es etwas, das Du heute anders entwickeln würdest als damals?
Ja, speziell bei "Big City". Ein paar kleine Änderungen, und das Spiel wäre noch viel besser gewesen. Der Bau des Rathauses müsste ein paar Punkte bringen!
Deine Spiele erscheinen in vielen verschiedenen Verlagen. Entwickelst Du die Spiele speziell für einen Verlag? Oder hast Du es eher im Gefühl, welche Spiele bei welchem Verlag besser ankommen?
Ich denke, dass ich inzwischen ziemlich genau weiß, welcher Verlag welches Spiel mögen könnte, weil ich die Programme kenne, und weil ich auch meisten Redakteure persönlich kennengelernt habe. Also sucht sich das Spiel, wenn es fertig ist, seinen Verlag praktisch selber aus.
Von einem Richter erwartet man nicht unbedingt die Lust am Spiel. Wie sehen Deine Kollegen Deinen Erfolg außerhalb der Paragraphen?
Der pauschalen ersten Aussage widerspreche ich einfach mal ganz pauschal.
Und was die Kollegen angeht: Die meisten finden es gut, dass jemand etwas macht, was dem Klischee vom langweiligen Aktenleser widerspricht.
Wann kommt das erste Gerichtsspiel?
Aller Voraussicht nach: Nie. Das Thema ist für Brettspiele extrem ungeeignet.
Viele der neuen Spiele sind schon ab 2 Spielern spielbar, bringen aber erst ab 3 oder mehr Spielern wirklich Spaß. Ist das eine Sache des Autors oder des Verlags?
Klar ist, dass es dem Verlag gefällt, wenn eine möglichst große Bandbreite bei der Spielerzahl geschrieben werden kann. Aber auch die Spieler selber legen großen Wert darauf: Sogar bei "Goldbräu" bin ich schon oft nach einer Spielmöglichkeit für zwei Spieler gefragt worden, obwohl eigentlich sonnenklar ist, dass das nicht gehen kann. Also probiere ich alle meine Mehrpersonen-Spiele auch zu zweit aus. Und wenn es funktioniert, dann wird es draufgeschrieben, auch wenn das Spiel zu mehreren größeren Spaß macht.
Dein Lebensmotto?
Ich wünsche mir die Kraft, zu ändern, was ich ändern kann; die Geduld, zu ertragen, was ich nicht ändern kann; und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

-beantwortet im Sommer 2005-

Ludographie

Big City von Goldsieber


Dos Rios von Kosmos


Goldbräu vom Zoch Verlag


Iron Road von Winsome Games


Manila vom Zoch Verlag
Wir veranstalten wieder ein Gewinnspiel!
Gewinne eins von drei "Manila" von Franz-Benno Delonge aus dem Zoch Verlag
!


Trans America von Winning Moves


Trans Europa von Franz-Benno Delonge

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© 2001 - 2010 Michael Prössel