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Michas-Spielmitmir.de - Gesellschaftsspiele im Test

Autorensteckbrief:
Bill Itch


Bill Itch

ist Innenarchitekt/Designer in München.
In seiner Edition Kranich kann man edle Holzspiele und Spiele aus anderen schönen Materialien erwerben.

In unserem Spieleautoren-Steckbrief steht er uns Rede und Antwort:

Name: Bill Itch
Wohnort: München
Ausbildung und heutiger Beruf: Innenarchitekt/Designer, Musiker, Spiele-Autor
Hobbies: Musik, Design, Architektur > Hobbies und Beruf zugleich
Dein Lieblingsbuch? Ich bin keine wirkliche Leseratte. Im Bett gibt’s zwei Dinge, die mich interessieren. Erstens schlafen…
Dean Koontz und Co. Finde ich ganz gut. Dann Bücher über große Ideen, Evolution, Geschichte aus einem anderen Blickwinkel, Biographien.
Dein Lieblingsfilm? Auch hier: Ich bin kein richtiger Cineast. Ich mag Filme, die bewegen, sowas wie „Grüne Tomaten“.
Ich liebe auch Bildhaftes. Bei Avatar ist mir die Story eher egal. Die fantastischen Landschaften, diese Bilderflut – noch dazu in 3D – das packt mich (für 2 Stunden)
Dein Lieblingscomputerspiel? PC Gezappe ist nicht meine Welt.
Sollte sich das ändern, behaupte ich natürlich das Gegenteil ;-)
Welche Musik magst Du? Ich bin ein ewiger Rocker. Auf nznznz kann ich gar nicht, für alles andere bin ich kurzzeitig zu haben.
Drei Errungenschaften ohne die Du nicht auskommen würdest?
Ich arbeite am PC – dennoch habe ich schon viele Spiele auf dem Liegestuhl in der Sonne entworfen – also brauche ich ihn nicht.
Ich telefoniere viel, besitze aber kein Handy – also brauche ich es nicht.
Ich fahre gern und viel mit dem Auto – hatte aber schon Phasen ohne und es ging auch – also brauche ich es nicht.
Ich sehe gern mal einen Abendfilm zum Relaxen – kann aber auch anders entspannen – also brauche ich keinen TV.
Ich liebe Musik – höre kaum Radio und hab keinen mp3 Player mit 400 gespeicherten Cds, esse gern – gehe aber nicht allzu oft ins Restaurant, habe viel (zu viel) Kleidung, trage aber oft immer dasselbe, i-pod, notebook, alles Zeug das man nicht braucht und manches doch hat.
Ich wüsste nichts, was ich benutze, aber nicht ohne damit auskommen könnte.
Doch halt: ich glaube der Postweg mit Briefen würde mich waaaaahnsinnig machen.
Also Ohne Outlook geht´s nicht MEHR!!!
Deine Lieblingsspiele? (eigene und fremder Autoren)
Meine eigenen Spiele natürlich und abstrakte 2er Brettspiele verschiedener meist unbekannter Autoren. Habe selbst über 300 davon.
Ganz gut um zu wissen, was NICHT bei den eigenen Spielen vorkommen sollte ;-)
Welche Art von Spielen magst Du und welche nicht?
Sechs Leute sitzen an einem Tisch. Reihum geht der Würfel und eine Tolkien-artige Schwarte um Regeln, Ausnahmeregeln und Nebenregeln nachzuschlagen. Vor sich hat jeder Spieler ein zusätzliches Tableau zum sammeln, tauschen, lagern. Auf dem Tisch häufen sich Ereigniskarten, Bauteile, hunderte von mikroskopisch kleinen Plastik-Figürchen, Türmchen, Klötzchen, Plättchen (wehe es geht eines verloren…) Die Übersicht auf dem Spielfeld behält man nur durch eiserne Konzentration und Memory-gestähltem Gehirntraining.
Und der Erkenntnis, dass spätestens nach dem Zug des dritten Mitspielers die ganze Strategie dahin ist, die man bei seinem Zug ersonnen hat, lässt einem nach 2stündiger Spieldauer neben Schweiß auf der Stirn, leerem Magen, trockener Kehle auch noch Schaum vor dem Mund treten. Monatlich erscheinen Material-Ergänzungen, -Erweiterungen und Abarten desselben Spieles mit anderer Hintergrundstory.
Man bemerkt jetzt sicherlich, dass ich kein Fan von „Siedler“-lastigen Spielen bin.
(Tschuldigung, Klaus Teuber, bist ein kluger Kopf und prima Geschäftsmann.
Du weißt, was das Volk braucht)
Was ist Dir bei Deinen Spielen wichtig?
Zu spielen heißt in erster Linie SPIELEN, nicht siegen. Ich freue mich bei meinen vielen Testspielen über jeden gelungenen Zug eines Mitspielers, da er mir damit zeigt, mein Spiel verstanden zu haben und agieren zu könne, selbst gegen den Autor.
Besitzt ein Spiel die Möglichkeit, durch eine bestimmte Zugkombination den Sieg zu garantieren, gehört es in den Müll. Das heißt, ich arbeite so lange daran, bis dies nicht mehr möglich ist. Im steten Drehen und Wenden der Siegsituation bis zum Schluss liegt für mich der Reiz eines besonderen Spiels.
Für welches Publikum entwickelst Du Spiele?
Ich entwickle ein Spiel erst einmal für mich. Ich setze mich nicht hin und arbeite „Zielgruppenorientiert“.
Mich nervt es, wenn ich ein von mir entwickeltes Spiel vorstelle und man sagt mir:
Kann man da nicht eine 4er Version daraus machen mit zusätzlichen Glücksfaktoren, einem speziellen Gimmick und schöner Story, für die Altersgruppe ab 8, bla bla. Dann bitte wieder melden und wir sehen weiter. - Nicht für einen Kreativling mit Spaß am Entwickeln – höchstens als Auftragsnehmer. Aber dann muss Geld für meinen Zeitaufwand fliesen wie in anderen Gewerken auch.
Wie bist Du zum Spieleerfinden gekommen?
Habe mir 2003 durch einen eher unspektakulären Sturz einen spektakulären Splitterbruch zugelegt, der mich 5 Monate in die horizontale zwang (außer Gang zum Klo und Waschbecken Dank Hilfe meiner treusorgenden Ehefrau ;-) Somit kam ich überhaupt erst zu Brettspielen. Zuerst natürlich zu „fremden“.
Dies inspiriert einen eher als kreativ zu bezeichnenden Menschen dazu, selbst mal „Hand anzulegen“ und so entstanden in diesen 5 Monaten bereits über 50 meiner Spiele.
Im Laufe der Jahre kamen noch einige (hab ja noch meine anderen Berufungen) hinzu und bin derzeit bei etwa 120 angelangt, die sich – bei aller Bescheidenheit – jedes vom anderen unterscheidet. Ca. 80 stehen als Prototypen bei mir hinter Glas.
Warum gerade Spiele aus edlen Werkstoffen?
Will es kurz machen, obwohl ich weit ausholen müsste.
Das Pferd von hinten aufgezäumt:
Der Endverbraucher mag´s gern preisgünstig – Hersteller müssen also scharf kalkulieren.
Die Materialien müssen billig sein, oftmals wird Standardmaterial verwendet.
Der Autor bekommt gerademal 3%. Die Partizipations-Schlange ist lang.
Die Aldi-Kultur fordert ihren Tribut.
Ich könnte alle meine Spiele aus billigen Materialen herstellen, mit Standard-Pöppeln und Pappkarton. Ich könnte durchaus im unteren bis mittleren Preissegment anbieten, vorausgesetzt ich bestelle gleich mal ab 1000 Stück pro Spiel. Sonst wird es wieder teuer.
Aber meine Philosophie ist: Alles Handarbeit, Einzelanfertigung auf Bestellung.
Spiele nicht für die Schachtel im Schrank sondern ohne und auch für die Vitrine.
Spiele nicht nur zum Spielen sondern auch als Design-Objekt.
Ein optischer und haptischer Genuss, bei dem es Freude macht, es zu besitzen. Bei dem es Freude macht, nur die Figuren zu nehmen um sie zu bewegen. Ein schön gestaltetes Spielbrett. Holz, Metall, Glas, Acryl, Stein.
Und natürlich ein kurzes aber neuartiges Regelwerk mit vielen Möglichkeiten, das Spiel in letzter Sekunde für sich zu entscheiden.
Aber wie gesagt: Es geht um´s spielen, nicht um´s siegen…
Was wäre Deine Idee für das perfekte Spiel?
Was ist denn perfekt? Ist Schach perfekt? Würde sich heutzutage noch jemand dafür interessieren, wenn es neu auf den Spielemarkt käme?
Was sind das für Spiele, die seit Urzeiten in jedem Haushalt zu finden sind:
Schach, Dame, Mühle, Mensch Ärgere Dich Nicht, Memory, Tic Tac Toe. –
Alles Spiele ohne Story. Ohne viel Bla Bla. Ohne viel Material. Ohne viel Regelwerk.
Sind diese Spiele perfekt?
Ist „Siedler“ perfekt wenn es -zig Erweiterungen gibt?
Ist Monopoly perfekt, das Urspiel aller Gesellschaftsspiele?
Irgendwann ist alles langweilig und das ist auch OK. Dann sucht man sich ein neues Lieblingsspiel für die nächste Zeit und gut.
Dein Lebensmotto?
Klingt ausgelutscht, mein ich aber ernst:
Leben und leben lassen
Außerdem: Carpe Diem ET noctem

-beantwortet im Frühjahr 2010-

© 2001 - 2010 Michael Prössel