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Tipps zu "Der Herr der Ringe"
Zu unserer Rezension zum Spiel "Herr der Ringe" von Reiner Knizia haben wir mehrere Mails und Forumseinträge von Spielern bekommen, die Michas Meinung nicht teilten. Dass es bei Rezensionen immer Menschen gibt, die eine andere Meinung haben ist wohl klar, aus diesem Grund freuen wir uns über die eingegangenen Mails, von denen wir die interessanteste und ausführlichste hier in Ausschnitten veröffentlichen. Der Autor möchte hier nicht genannt werden.
Meine Anmerkungen sollen freilich nicht ihre Rezi angreifen. Das war
nicht meine Intention beim Schreiben der Mail. Vielmehr will ich einfach
mal einen anderen Blickwinkel auf das Spiel zeigen, der ein wenig
positiver ist als ihrer.
Ich muß sagen, daß ich das Spiel seit geraumer Zeit spiele und im Team
Sauron schon so einige Male besiegt habe. Am Anfang war es sogar leichter
als es inzwischen ist, da man gewöhnlich in anfänglichem Enthusiasmus dazu
neigt, einige der komplexeren Regeln zu überlesen.
Was Sie da so über "zu wenig Karten" schreiben, stimmt nicht unbedingt.
Das Spiel kommt zwar mit einem Schwierigkeitsgrad daher, der halt nicht
auf dem niedrigen Level von "Risiko" oder "Maumau" ist, aber ZU SCHWER ist
es ganz bestimmt nicht. Wenige Karten/Ressourcen hat man häufiger mal auf
der Hand ... naja ... oder halt auch nicht, aber das ist im Normalfall ab
einer Spieleranzahl von drei Spielern wirklich in den Griff zu kriegen.
Grundsätzlich mal sogar mit weniger Spieler, auch wenn der
Schwierigkeitsgrad unterhalb und oberhalb von drei Spieler zunimmt
(unterhalb jedoch sehr, sehr stark). Es gibt da nen Haufen gelber Karten
und Gandalfkarten, die einem helfen können ... und wenn man nicht
durchpusht, weil man in einer halben Stunden fertig werden will, dann kann
man's auch schaffen. In der Ruhe liegt manchmal die Kraft ...
Kankras Lauer (falls Sie das mit "Kapitel 3" gemeint haben) wird in den
Gruppen, in denen ich spiele, gemeinhin als "Urlaubskarte" bezeichnet,
weil man da mehr oder weniger gemütlich durchkommt und nochmal Ressourcen
für Moria sammeln kann, während man sich AUSRUHT.
Nach häufigem Spielen kann ich attestieren, daß das Spiel keineswegs
unausgewogen ist. Vielmehr sind die kleinen Problemchen, denen Sie
begegnet sind, in der Tat Unglücksfälle, die mir und meinen Mitspielern
auch mal untergekommen sind (jaja ... 15 Punkte ist unser Niedrigrekord),
aber da spielt halt wirklich nur das Unglück "schlechten Mischens" rein.
Mehr nicht. Genauso gut kann es vorkommen, daß Ihnen in einem kompletten
Kapitel nur ein oder zwei Ereignisse unterkommen. In der Erweiterung ist
es übrigens ab und an in der Tat erwünscht, daß Ereignisse eintreten - von
den Spielern, nicht vom Spiel.
Selbstopfer kommen übrigens verhältnismäßig selten vor - selbst, wenn man
nach den (Hard)Core-Rules spielt, die man allerdings erst aus der etwas
unübersichtlichen Anleitung "herausschälen" muß.
Ein definitiver Fehler ist es übrigens, sich gleich am Anfang die
Erweiterung anzutun - genauso wie es ein Fehler ist, sich mehr als
einmal am Abend/Nachmittag in die Schlacht mit Sauron zu stürzen. DAS
führt dann zwangsläufig zu dem Frust, den Sie augenscheinlich erlebt
haben. Man darf sich bei diesem Spiel eben nicht sofort die volle Kante
geben, sondern sollte klein anfangen. Aber das steht ja so oder anders
auch in der Anleitung, die wir alle ja genau durchgelesen haben ... oder?
*schmunzel* Gerade der vergleichsweise (sagen wir mal im Vergleich mit dem
KINDER-Spiel "Der Kleine Hobbit") hohe Schwierigkeitsgrad erlaubt eine
Dauermotivation und langanhaltenden Spielspaß. Vor allem auch deshalb,
weil es eben nicht klappt, wenn alle für sich selbst und keiner im Team
spielt.
Kleiner Tip zum Durchspielen:
Sauron DARF SICH NICHT BEWEGEN! Verhindern Sie das von Anfang an
konsequent und in jedem Fall. Die Spieler können ruhig auch mal auf
direkte Tuchfühlung mit ihm gehen, schließlich sind die über gelbe
Karten oder Gandalf-Karten immernoch zu retten.
Aufgeben hat bei dem Spiel recht wenig Sinn. Vielmehr sollte man in
einer "Aufgeben-is-doch-irgendwie-besser-oder?"-Situation mal hingehen und
ne Tasse Tee trinken gehen. Wenn man dann wiederkommt, fällt einem
meistens doch noch eine Möglichkeit ein, wie man weiterkommt. Das Spiel
ist nämlich meist so fair, daß es einem einen Ausweg läßt.
Merke:
Das einzige Ereignis, das einen Spieler AKTIV umbringen kann in dem
Originalspiel sind die "Totensümpfe" in Kankras Lauer. Ansonsten kann man
immer noch würfeln oder sonstwas machen.
Die Sauron-Erweiterung
Man kann an dem Glück und Unglück bei dem Spiel nichts machen. Oder?
Nun ... ich denke schon, daß Knizia da was dran gemacht hat. Die
Sauron-Erweiterung hat da einiges geändert. Zumindest potentiel - wenn man
sie denn reinnimmt.
Hier ein paar Infos zu der Erweiterung:
Einmal gibt es jetzt die Möglichkeit, einen menschlichen Gegenspieler (der
Sauron und die Nazghûl spielt) zu integrieren und zum anderen liegt ein
Haufen neuer Kärtchen und vor allem OPTIONALER Regeländerungen bei.
Das Spiel zeigt also Evolution. Ob zum Guten oder Schlechten hin, wird
sich mit der Zeit zeigen. Der erste Eindruck ist schon ein wenig ... sagen
wir ... mager. Ein Kasten mit einer Pappschablone und vielen (negativen)
neuen Ereigniskarten und ... tja ... zwei Stapel Karten. Das wars dann
schon fast ...
Fast - kommt nämlich noch ein Beutel für die Ereigniskarten hinzu. Um das
Mischen zu vereinfachen.
Spät, aber immerhin. Mitgedacht hat da jemand.
Wegen dem lieben Leid mit dem Glück:
Die Sauron-Erweiterung bietet mit ihrer integrierten "Einer spielt
Sauron"-Option die Möglichkeit, das Würfeln fast komplett aus dem Spiel zu
entfernen und das Ganze mehr zu einem Kartenspiel zu machen. Zwar haben
bei unserem ersten Testspiel hier die Hobbits knapp verloren - aber wie es
scheint wird Sauron durch die menschliche Komponente teilweise doch der
bitterböse Zahn gezogen (kommt wohl auch eindeutig darauf an, ob der
Sauron-Spieler ne Strategie hat oder nicht).
Die zusätzlichen Ereigniskarten bringen eine Neuerung mit sich, die den
ereignisgeplagten Spieler freuen wird: Den Vorschlag eines optionalen
Modus für die Ziehung von Ereigniskarten. Man hat nämlich neuerdings die
Möglichkeit, wenn man das denn so spielen will, eine Ereigniskarte
abzulehnen und eine neue zu ziehen - die muß man dann aber annehmen. Auf
die Art gehen so manche schlechte Ereignisse an einem vorbei. Würden
zumindest ... wenn die vielen grauen Kärtchen nicht wären, die man mit
hineintun kann.
Hinsichtlich Ereignisflut und frustreichem Spieletest empfehle ich, daß
Sie's mal eine Variante spielen, die meine Spielgruppe versehentlich in der Anfangszeit gespielt hat: Nach einem Ereignis (ganz gleich, ob gut oder böse) wird das Ereignisziehen
gestoppt und der nächste Hobbit ist dran. Glauben Sie mir - da ist es dann
schon schwer genug, zu gewinnen.
Geholfen wird den Hobbizen übrigens in der Sauron-Erweiterung auch ganz
gut. Es kommen Lichtkarten hinzu, die weitere positive Effekte haben und
ganz einfach zusätzlich auf z.B. der "Versteck"-Leiste zu erhalten sind
(also reine Gimmicks für Hilfsbedürftige). Außerdem gibts zwei Karten, die
Knizia schonmal fast explizit als HILFE FÜR BEDÜRFTIGE ausweist. Nein,
nein ... er nennt es nicht so - aber die beiden Karten sind ganz einfach
ein Tribut an jene, die das Spiel mal gekauft haben und nach drei, vier
(oder weniger) Spielen schlichtweg den Kasten in die Ecke gepfeffert
haben, weils zu schwer war (hey - es gibt da Leute bei uns, die spielen
ständig immer wieder "Siedler" gegen einen Typen, der schier unbesiegbar
zu sein scheint - von zwanzig Spielen so ... ein, zwei gewonnen gegen den
... aber die spielens, weils trotzdem Spaß macht). Die beiden Karten
ermöglichen:
1. Karte: Sauron um 3 Felder nach hinten versetzen (10
Punkte wert, wenn man Sie nicht benutzt).
2. Karte: Den Ring tauschen
(der Ringträger kann den Ring an einen Gefährten weitergeben, wenn er das
wünscht).
Damit dürfte es dann wesentlich (!) einfacher werden, zu gewinnen. Ist nur
die Frage, ob enttäuschte "Originalkäufer" im Nachhinein hingehen und
nochma so 20 Euro abdrücken, um sich das nötige Equipment zu kaufen, das
sie brauchen, um mal zu gewinnen?!
Wegen der wenigen Karten auf der Hand nochmal:
Ideale Spielgruppengröße ist drei Spieler. Da reichen die Karten dann auch
gut aus. Mit zwei Spielern hat man meistens die ganze Hand voll mit Karten
(und kann trotzdem nicht alles machen, was man so machen will ... Ironie
des Schicksals ;). Ab drei Spielern aufwärts steigt der Schwierigkeitsgrad
für den einzelnen Spieler und die Gruppe sprunghaft an, weil plötzlich
sowas "nebensächliches" wie Lebensplättchen an Einfluß gewinnt.
Die Feinde-Erweiterung
sollte man im Anfangsstadium definitiv weglassen.
Erst, wenn man relativ sicher Sauron besiegt hat und schon unlängst ab
"Sauron auf Feld 12" oder so startet und auch gewinnt. Empfehlenswert ist
es übrigens immer, ruhig auf Feld 15 zu starten, wenn man Spieler dabei
hat, die das Spiel nicht so häufig spielen - schließlich ist es wurscht,
ob Sauron nun am Ende auf Feld 12 oder Feld 9 steht oder so ... wenn man's
richtig macht, kommt der eh nicht weiter. Und so viel Sauron so weit vorne
macht Anfänger schlichtweg nervös - obwohl es halt wirklich nicht nervös
machen sollte.
Nun gut, ich wollte abschließend noch etwas zu der Feinde-Erweiterung
sagen: Der Schwierigkeitsgrad dieser Erweiterung ist hammerhart. Hat ein
paar Testspiele gedauert, um da zu gewinnen, weil insbesondere Isengart
verdammt reinhaut. Die Feinde selber sind insbesondere für Leute, die mit
den Ressourcen nicht klarkommen, wirklich happig, aber doch zu bewältigen
... nur hauen solche "Zwischenfälle" à la "so ... und jetzt gehen Sie mit
Sauron so viele Felder vor, wie Sie auf der-und-der Leiste noch nicht
gegangen sind" verdammt rein. Da ist der Schwierigkeitsgrad bei schlechter
Ereignislage extrem hoch. Aber wie gesagt - zu bewältigen, wenn das Team
zusammenarbeitet.
Naja. Bleibt nur anzumerken, daß es so aussieht, als würde die
Sauron-Erweiterung sich nicht nur als Schaf im Wolfspelz (schließlich wird
das Spiel potentiel noch härter und meistens DOCH LEICHTER durch die
Erweiterung) entpuppen, wenn man's aus der Sicht des Originalspieles
sieht, sondern ironischerweise auch und inbesondere als
Schwierigkeitsdowngrade für die Feinde-Box entpuppen. Schließlich kommen
Feinde nur auf, wenn das erste gezogene Ereigniskärtchen ein Positives
ist. Tja ... und dadurch, daß die positiven Kärtchen in einer Masse von
Negativen untergehen ... dürften auch Feinde seltener kommen.
Autor bekannt
PS:
"In der Ruhe liegt die Kraft."
Manchmal kann man Sauron auch ganz einfach dadurch besiegen, daß man ihn
und sich selbst ruhig hält: Sauron darf sich niemals bewegen ... und
Ausruhen ist erste Pflicht, wenn man zu weit vorne ... oder die Mittel zu
knapp werden. Jeder Hobbiz zählt ...
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